Fachtag Istanbul-Konvention

Mit ihnen reden, nicht über sie – zur Bedeutung des Einbezugs von Betroffenen

24. November 2022, 10 bis 16 Uhr, Online

Im Oktober 2021 nahm der Bremer Betroffenenbeirat Istanbul-Konvention im Rahmen eines vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderten Bundesmodellprojekts seine Arbeit auf. Nun ziehen wir Resümee!

Der Fachtag ist die Abschlussveranstaltung zum Bremer Pilotprojekt zur Umsetzung der Istanbul-Konvention „Optimierung des Hilfesystems von gewaltbetroffenen Frauen und Kindern durch die systematische Einbeziehung der Betroffenenexpertise und -perspektive: Implementierung eines Betroffenenbeirates Istanbul-Konvention im Land Bremen“.

Wir freuen uns über einen regen Austausch! Es wird Gelegenheiten geben Fragen zu stellen an die Mitglieder des Bremer Betroffenenbeirats, die Landeskoordinierungsstelle Istanbul-Konvention, die Autor:innen der Studie zu den Erfahrungen gewaltbetroffener Frauen* im Bremer Hilfesystem und an unsere Panelgäste.

Der Fachtag findet Online als Zoom-Konferenz statt. Bitte melden Sie sich für den Zugangslink über das Registrierungsformular an. Wir freuen uns auf Sie!

Interessierte, die nicht persönlich am Fachtag teilnehmen und sich austauschen möchten, können dem Fachtag über diesen Livestream folgen:

Programm

Begrüßung:
Claudia Bernhard, Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz, Freie Hansestadt Bremen

Grußwort:
Lisa Paus, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Bundesregierung

Moderation: Beate Hoffmann

BLOCK I
Der Bremer Betroffenenbeirat Istanbul-Konvention

Antje Kehrbach von der Landeskoordinierungsstelle Istanbul-Konvention berichtet von der Idee zum Betroffenenbeirat Istanbul-Konvention, seine Aufgaben und die Schritte zu seiner Implementierung in Bremen.

Mitglieder des Betroffenenbeirats selbst erzählen im Gespräch von ihrer Arbeit und inhaltlichen Schwerpunkten für den Bremer Betroffenenbeirat Istanbul-Konvention.

BLOCK II
Studie zu den Erfahrungen gewaltbetroffener Frauen* im Bremer Hilfesystem

Das Forschungsteam des Instituts für Public Health und Pflegeforschung der Universität Bremen stellt die Ergebnisse der qualitativen Studie zu den Bedarfen von gewaltbetroffenen Frauen* im Bremer Hilfesystem vor.

Anhand folgender Leitfragen leitet die Studie Handlungsempfehlungen für das Land Bremen ab:

  • Wie bewerten Gewaltbetroffene das Bremer Hilfesystem?
  • Welche strukturellen Stärken/Schwächen weist das Bremer Hilfesystem auf?
  • Welche Erfahrungen haben Gewaltbetroffene in der Behandlung und Betreuung in Einrichtungen des Bremer Hilfesystems gemacht?
  • Welche zusätzlichen Maßnahmen resultieren daraus?

BLOCK III
Über den Tellerrand – Betroffeneneinbezug umgesetzt

In einer Podiumsdiskussion beleuchten wir die in Bremen gemachte Erfahrung mit dem Einbezug von Betroffenen zur Umsetzung der Istanbul-Konvention vergleichend mit anderen Teilhabe- und Teilgabe-Prozessen.

Unsere Gäste sind:

  • Dr. Delal Atmaca, DaMigra e.V.
  • Renate Bühn, Aktivistin und Mitglied im Betroffenenrat der UBSKM
  • Arne Frankenstein, Landesbehindertenbeauftragter der Freien Hansestadt Bremen
  • Jörg Utschakowski, Initiator EX-IN Modell der Psychiatrie
  • Bettina Wilhelm, Landesfrauenbeauftragte der Freien Hansestadt Bremen

Sie schildern ihre Erfahrungen und diskutieren die Bedeutung der Partizipation und des Empowerments von Menschen mit Erfahrungswissen aus verschiedenen Perspektiven und Professionen.

Registrierung

    *Pflichtfeld

    Referent:innen

    Bremer Betroffenenbeirat Istanbul-Konvention

    Der Betroffenenbeirat Istanbul-Konvention im Land Bremen wurde von der Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz Claudia Bernhard m Oktober 2021 einberufen.

    Bremen nimmt damit eine bundesweite Vorreiterrolle ein: Als erstes Bundesland bezieht Bremen systematisch und strukturiert die Perspektive Betroffener in die Umsetzung der Istanbul-Konvention mit ein. Das Projekt wird gefördert durch das Bundesinnovationsprogramm des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

    Der Betroffenenbeirat Istanbul-Konvention besteht aus zehn Mitgliedern. Sie gehören verschiedenen Altersgruppen an und haben unterschiedlichste Gewaltformen erlebt. Die Hauptaufgabe des Betroffenenbeirats ist die Bewertung der Umsetzung des Landesaktionsplans „Istanbul-Konvention umsetzen. Frauen und Kinder vor Gewalt schützen“ und das Setzen inhaltlicher Impulse für dessen Fortschreibung.

    Landeskoordinierungsstelle Istanbul-Konvention

    Die Landeskoordinierungsstelle Istanbul-Konvention im Stabsbereich Frauen bei der Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz wurde im Herbst 2020 eingerichtet. Ihre Aufgabe ist die Koordination der Umsetzung der Istanbul-Konvention für das Land Bremen.

    In Zusammenarbeit mit der Bremischen Zentralstelle für die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frau (ZGF) erarbeitete die Landeskoordinierungsstelle den Bremer Landesaktionsplan „Istanbul-Konvention umsetzen – Frauen und Kinder vor Gewalt schützen“. Der Landesaktionsplan vereint Maßnahmen aller Ressorts der Bremer Landesregierung in einer Gesamtstrategie. Er wurde im Frühjahr 2022 vom Bremer Senat verabschiedet.

    Die Umsetzung der Maßnahmen zur Prävention, Bekämpfung und Ahndung von Gewalt gegen Frauen im Land Bremen wird die Landeskoordinierungsstelle überwachen und fortschreiben. Dafür berichtet sie an die vom Europarat eingesetzte Expertengruppe GREVIO (Group of Experts on Action against Violence against Women and Domestic Violence), die das Monitoring europaweit verantwortet und nimmt an länderübergreifenden Arbeitsgruppen zum Themenfeld Gewalt teil.

    Universität Bremen, Institut für Public Health und Pflegeforschung,
    Abt. Gesundheit & Gesellschaft

    Prof. Dr. Henning Schmidt-Semisch und PD Dr. Iris Stahlke leiten das Forschungsteam der qualitativen „Studie zur Ermittlung der Erfahrungen von gewaltbetroffenen Frauen im Bremer Hilfesystem (2022)“.

    Henning Schmidt-Semisch ist Diplom-Kriminologe und Soziologe und forscht seit rund 30 Jahren u.a. zu unterschiedlichen Aspekten der Kriminal- und Sicherheitspolitik.

    Iris Stahlke ist Diplom-Psychologin und Psychosoziale Prozessbegleiterin und forscht seit mehr als zehn Jahren zu Gewalt in Beziehungen und zu Opferschutz im Strafverfahren.

    Dr. Sophie Rubscheit, MA Public Health, Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Universitätslektorin im Institut für Public Health und Pflegeforschung, Abt. Gesundheit & Gesellschaft

    Fabienne Schnepf, MA Public Health, Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Institut für Public Health und Pflegeforschung, Abt. Gesundheit & Gesellschaft, sie promoviert zum Thema „Sexualunterricht im Kontext sexueller Gesundheit – Umrisse einer salutogenetischen Perspektive“.

    Teilnehmende des Panels „Über den Tellerrand – Betroffeneneinbezug umgesetzt“

    • Dr. Delal Atmaca, Vorsitzende von DaMigra

    Dr. Delal Atmaca ist Geschäftsführerin und Mitbegründerin des Dachverbandes der Migrantinnenorganisationen (DaMigra e.V.). Nach dem Studium der Rechtswissenschaften und Kooperationsökonomik, folgte die Promotion in Volkswirtschaftslehre. Sie war u.a. Vorstandsmitglied der WeiberWirtschaft e.G., Migrationsrat Berlin und der Initiative selbstständige Migrantinnen. Dr. Delal Atmaca war lange Jahre in der Lehre tätig und ist Expertin in den Themenbereichen Genossenschaften, Kooperation, Diversity, Migration, Gender und Frauenrechte und referiert zu diesen Themen auf der bundes- und europapolitischen Ebene.

    • Renate Bühn, Mitglied Betroffenenrat UBSKM

    Renate Bühn ist Mitglied im Betroffenenrat bei der Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs und im Nationalen Rat gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen. Sie engagiert sich im Betroffenenrat, um gemeinsam mit anderen Betroffenen von sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend die Forderungen und Anliegen der Betroffenen in den politischen Diskurs und in die Öffentlichkeit zu tragen. Dabei setzt sie sich u.a. für die Vernetzung und Stärkung von Beteiligungsstrukturen von Betroffenen ein.Sie hat den Betroffenenbeirat in Bremen von der Idee auf begleitet und unterstützt ihn als Moderatorin.

    • Arne Frankenstein, Landesbehindertenbeauftragter und Vorsitzender des Landesteilhabebeirats

    Arne Frankenstein ist Jurist und Experte auf dem Gebiet des Behindertengleichstellungsrechts. Als Bremens Landesbehindertenbeauftragter wirkt er auf gleichwertige Lebensbedingungen von Menschen mit und ohne Behinderung in allen gesellschaftlichen Bereichen hin. Er ist Vorsitzender des Landesteilhabebeirats der Freien Hansestadt Bremen. Der Landesteilhabebeirat soll die Umsetzung der im Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention verankerten Maßnahmen begleiten.

    • Jörg Utschakowski, Initiator Ex-In Bewegung

    Jörg Utschakowski ist Abteilungsleiter des Referats Sucht und Psychiatrie bei der Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz. Er initiierte und koordinierte das EU-Projekt EX-IN und ist Ehrenmitglied im Bundesvorstand des Vereins EX-IN Deutschland. EX IN Peer-Begleiter sind Personen, die selbst psychische Erkrankungen erfahren haben und nun Neu- oder Wiedererkrankte auf ihrem Weg der Genesung unterstützen. Sie haben keine explizite therapeutische Funktion, sondern agieren aus der Rolle als Erfahrungsexpert:in.

    • Bettina Wilhelm, Bremer Landesfrauenbeauftragte

    Bettina Wilhelm ist seit 2017 Landesbeauftragte für Frauen des Landes Bremen. Sie leitet die Zentralstelle für die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frau (ZGF). Im Rahmen ihrer Projekte „Junge Frauen“ und „Frauen und Flucht“ hatte die ZGF jeweils Beiräte initiiert, die die Arbeit der ZGF kritisch bewerteten und neue Impulse gaben.